Jahrhunderthochwasser: Freitag, 9. Juli 2021, 10:05 Uhr: Hinter den Gärten am Ortsrand steht bereits eine braune Wasserfläche. Höfe, Wiesen und Garagen sind noch trocken. Um 10:45 Uhr steht der Umgriff um den Mühlbach bereits unter Wasser, auf der Ortsstraße zeigt sich eine deutliche Strömung.

Pfahlenheim war an diesem Vormittag nicht allein. Nach heftigem Starkregen in den Morgenstunden wurden die Feuerwehren zwischen Uffenheim, Bad Windsheim und Neustadt a. d. Aisch im Minutentakt alarmiert. Gegen 10 Uhr stellte der Landrat den Katastrophenfall fest, er galt bis Sonntag, 11. Juli, 13 Uhr.

Seitdem stellen sich viele im Dorf dieselbe Frage: Wo kommt das ganze Wasser her?

Ein Trichter von knapp 20 Quadratkilometern

Pfahlenheim liegt am Ausgang eines großen Trichters. Rund 18 km² Land entwässern auf den Mühlbach, bevor er unser Dorf erreicht. Das entspricht etwa 2.500 Fußballfeldern.

Das Wasser sammelt sich aus allen Richtungen:

  • Von Westen kommt der Riedbach aus der Gegend um Götzen und Rainfeld.
  • Von Süden fließen die Gräben von Auernhofen und Walkershofen zu.
  • Von Osten kommt der Gießgraben.
  • Bei Simmershofen vereinigt sich alles und läuft gebündelt nach Norden auf Pfahlenheim zu. Kurz vor dem Ort kommt noch das Tälchen von Tiefenried hinzu.

Was in Auernhofen, Walkershofen oder auf den Feldern bei Simmershofen als Regen fällt, kommt also früher oder später bei uns in Pfahlenheim an. 

Das Gelände ist flach, aber weit. Zwischen den höchsten Punkten des Einzugsgebiets (rund 370 m ü. NN) und dem Mühlbach in Pfahlenheim (rund 297 m) liegen nur gut 70 m Höhenunterschied, verteilt über mehrere Kilometer. Deshalb kommt das Wasser nicht sofort, sondern zeitversetzt. Der stärkste Regen fiel am 9. Juli in den Morgenstunden. Die Welle erreichte Pfahlenheim zwischen 10 und 11 Uhr, dann aber mit voller Wucht: Was sich auf 18 km² gesammelt hat, kommt fast gleichzeitig an.

Dazu kommen drei Dinge, die den Abfluss beschleunigen: Fast nur Acker: Wald, der Wasser zurückhalten könnte, gibt es im Einzugsgebiet kaum. Viele Gräben: Die Feldgräben leiten das Wasser schnell in die Bäche. Verschlämmte Böden: Bei Starkregen verschließt sich die Oberfläche der feinen Ackerböden. Der Regen versickert kaum noch und läuft oberirdisch ab.

Wie das Wasser bei Starkregen über die Flächen läuft, zeigt die „Hinweiskarte Oberflächenabfluss und Sturzflut“ des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Sie ist im BayernAtlas für jeden einsehbar.

 

In Zahlen:

Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. 1 mm Regen bedeutet 1 Liter Wasser auf jedem Quadratmeter.

  • Fallen 30 mm Regen auf 18 km², sind das rund 540.000 m³ Wasser.
  • Läuft davon ca. ein Drittel oberirdisch ab, bleiben etwa 180.000 m³.
  • Das entspricht rund 70 olympischen Schwimmbecken, die in wenigen Stunden durch Pfahlenheim müssen.

Wie viel es am 9. Juli 2021 über dem Einzugsgebiet tatsächlich geregnet hat, konnte ich nicht mehr exakt ermitteln - der Regemesser ist jedenfalls übergelaufen.

Quelle: