Wer in Pfahlenheim den Zehnt ablieferte oder einen neuen Pfarrer bekam, hatte über Jahrhunderte mit einem Partner in Würzburg zu tun: dem Kloster St. Burkard, später ein Stift. Die Germania Sacra, ein Handbuch zur Kirchengeschichte, hält die Stationen dieser Verbindung fest. Sie führen von einem Tauschgeschäft im Mittelalter zu einer Kuriosität, die es so nur im Alten Reich geben konnte.

GERMANIA SACRA - HISTORISCH-STATISTISCHE BESCHREIBUNG DER KIRCHE DES ALTEN REICHES, DIE BENEDIKTINERABTEI UND DAS ADELIGE SÄKULARKANONIKERSTIFT ST. BURKARD IN WÜRZBURG

1144: Ein Tauschgeschäft
Die Geschichte beginnt mit einem Handel. 1144 gab das Würzburger Benediktinerkloster St. Burkard eine Pfarrei im Bistum Bamberg ab und bekam dafür Güter in Pfahlenheim. Die Germania Sacra vermerkt knapp: „Das Kloster erhält 1144 Güter im Tausch gegen die Pfarrei Ützing“ (S. 180). Ützing, heute Uetzing bei Bad Staffelstein, liegt rund dreimal so weit von Würzburg entfernt wie Pfahlenheim.

1355: Der Papst bestätigt
Gut 200 Jahre später ließ sich das Kloster seinen Besitz vom Papst bestätigen. Innozenz VI., der damals in Avignon residierte, sicherte ihm 1355 seine Rechte in Pfahlenheim zu. Gemeint waren „das Patronatsrecht und … Zehntrechte“ (S. 187). Das Kloster durfte also den Pfarrer vorschlagen und bekam einen Teil der Ernte.
Die Kirche St. Ursula und Wendelin war dabei keine eigene Pfarrei. Sie gehörte als Tochterkirche zu Lipprichhausen, und auch dort hatte das Kloster das Sagen: 1394 bestätigte der Papst, dass ihm die Pfarrkirche von Lipprichhausen übertragen war.

burkard t1570: Das Dorf wird evangelisch
Dann kam die Reformation. Nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 entschied die Herrschaft über den Glauben ihrer Untertanen, auch die Reichsritter in ihren Dörfern. In Lipprichhausen hatten die Herren von Baldersheim und von Rosenberg Besitz, und 1570 wurde der Ort „protestantisch“ (S. 186). Pfahlenheim ging mit.
Das Kloster, inzwischen ein adeliges Stift, blieb katholisch. Seine Rechte verlor es trotzdem nicht. Es durfte weiter den Pfarrer bestimmen, nun allerdings auf Vorschlag der Gemeinde. Und es musste dem Bischof „Kandidaten augsburgischen Bekenntnisses“ (S. 171) präsentieren. Ein katholisches Stift schlug also einem katholischen Bischof evangelische Pfarrer vor.

1802: Im Staatskalender verzeichnet
Diese Lösung hielt über 230 Jahre. Der fürstbischöfliche Hof in Würzburg führte die Pfarrer von Lipprichhausen und Pfahlenheim ganz offiziell in seinem Staatskalender, unter der schönen Rubrik „Hochfürstlich Wirtzburgisch-Augspurgische Confessions-Verwandte Pfarrer“ (S. 186). Noch im Kalender für 1802 stehen dort neben ihnen die Pfarrer von Gülchsheim und Hemmersheim.

Kirche St. Ursula & St. Wendelin

1803: Das Ende
Ein Jahr später war Schluss. Mit der Säkularisation kam Würzburg an Bayern, und das Stift St. Burkard wurde aufgehoben. Die Verbindung zwischen Pfahlenheim und St. Burkard endete damit nach fast 660 Jahren.
Eine Frage bleibt offen: Im 17. Jahrhundert stritt das Stift mit den Herren von Rosenberg „um einen Hof in Pfahlenheim“ (S. 133), und zwar bis vor das Reichskammergericht in Speyer. Um welchen Hof es ging, wäre ein eigenes Schlaglicht wert.

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