Kirche St. Ursula & St. WendelinÜber die Vorläufer der heutigen Pfarrkirche St. Ursula und St. Wendelin ist nichts bekannt. Auf das Baujahr der heutigen Kirche weist die in Stein gehauene Jahreszahl 1474 am südlichen Chorfenster hin. Auch unterstützen die gotischen Kreuzgewölbe im Chorraum und in der Sakristei diese Annahme. Vermutlich wurde also die heute noch stehende Chorturmkirche 1474 anstelle einer früheren, kleinern Kirche erbaut. Dass vor 1474 bereits eine Kirche existierte, geht aus der Tatsache hervor, dass in einem Ablaßbrief aus dem Jahre 1342 von einer großen Wallfahrt in Pfahlenheim gesprochen wird. Pfahlenheim hatte wohl vor der Reformation, die um 1530 eingeführt wurde, einen eigenen Pfarrer, da ein Pfarrhaus vorhanden war. Nach Einführung der Reformation blieb die Kirchengemeinde Pfahlenheim zwar selbständig, teilte sich aber den Pfarrer mit der Kirchengemeinde Lipprichhausen.
Im 30jährigen Krieg wurde bei einer Plünderung des Ortes durch die kaiserlichen (katholischen) Soldaten auch die Kirche durch Brand sehr stark zerstört. Erst nach dem Ende dieses Krieges wurde 1649 wieder ein evangelischer Pfarrer eingesetzt. In den Jahren 1666 bis 1671 wurde die zerstörte Kirche wieder aufgebaut, nachdem erst jahrelang Geld gesammelt wurde.
Heilige OttilieIn der Kirche steht in einer Mauernische links vom Altar das Standbild der Heiligen Ottilie, im Volksmund auch "blinde Ottel" genannt, das über 500 Jahre alt sein soll. Es ist eine ungefähr 90 cm große und farblich gefaßte Holzfigur, die damals als wundertätiges Gnadenbild verehrt wurde. Bis heute besuchen katholische Christen dieses Standbild und die Ottilienquelle, um Heilung bei Augenleiden zu suchen. Den Brand der Kirche im Jahr 1631 hat die Hl. Ottilie wie durch ein Wunder unbeschadet überstanden. So mag es verständlich sein, dass die benachbarten katholischen Rodheimer danach trachteten, diese wundertätige Figur für sich zu gewinnen. Eine alte Sage erzählt, dass sie so viele Goldstücke geboten hätten, als man auf dem Weg von Pfahlenheim nach Rodheim (5 km!) hätte aneinanderlegen können. Die Pfahlenheimer aber ließen sich auf diesen Handel nicht ein und behielten die Figur, die in der ganzen Umgebung hohes Ansehen hatte.
Die Hl. Ottilie war die blinde Tochter des Alemannenfürsten Atich im Elsaß. Sie wurde im Jahre 657 geboren. Der Vater wollte sein blindes Kind töten, die Mutter versteckte es im Kloster. Nach der Legende taufte Bischof Erhard das Mädchen. Dabei erhielt es das Augenlicht. Die Hl. Ottilie, die bei Augenleiden angerufen wird, blieb ihr ganzes Leben im Kloster. Viele Kirchen wurden nach ihr benannt, so auch die Pfahlenheimer Kirche. Warum die Kirche dann umbenannt wurde, ist nicht überliefert.
Taufstein, Vortragskreuze und Abendmahlsgeräte aus dem 17./18. Jahrhundert sind noch heute in Gebrauch.
Die letzte große Renovierung der Kirche erfolgte 1970-1975. Damals wurde auch eine neue Orgel eingebaut.
Glocken am KircheneingangIm Jahre 1991 wurden zwei neue Bronzeglocken angeschafft. Sie lösten die beiden schadhaften Eisenhartgußglocken aus dem Jahre 1949 ab. Mit der kleinen Bronzeglocke von 1754 läuten die neuen Glocken im gewohnten Dur-Dreiklang fis-ais-cis zum Gottesdienst.
Altar und FensterIm Jahre 2002 wurde der Altarraum renoviert und das bei der letzten großen Kirchenrenovierung im Jahre 1970 ausgebaute farbige Glasfenster wieder eingebaut. Das alte Fenster von 1891 war leider nicht mehr auffindbar. So musste eine Rekonstruktion anhand von Bildern angefertigt werden. Die gelungene Rekonstruktion führte der Münchner Kunstglaser Gustav von Treeck durch.

 

Text: Pfr. Jürgen Blum - Pfarramt Lipprichhausen


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